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Invasive Ameisenarten in Karlsruhe

In Baden-Württemberg breiten sich derzeit gebietsfremde, invasive Ameisenarten rasant aus – so auch in Karlsruhe. Sie haben ungewöhnlich viele Ameisen an Ihrem Haus, Ihrer Wohnung oder im Garten entdeckt? Sie sind sich unsicher, ob es sich um eine invasive Ameisenart handelt? Diese Seite bietet Informationen zu invasiven Ameisenarten und gibt Tipps für das richtige Verhalten.

Die Ameisenart Tapinoma magnum in Nahaufnahme

Die Große Drüsenameise Tapinoma magnum

Die Tapinoma magnum stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und breitet sich seit einigen Jahren zunehmend in Süddeutschland aus. Sie bildet sogenannte Superkolonien, die aus zahlreichen Brutzentren mit jeweils mehreren Königinnen und Tausenden Arbeiterinnen bestehen. Dadurch kann sich die Ameisenart rasant ausbreiten und Flächen von mehreren Hektar Größe mit Millionen von Arbeiterinnen und Tausenden von Königinnen besiedeln. Daher lässt sie sich nur sehr schwer bekämpfen.

Bestimmung und Meldung von Verdachtsfällen

Sie können Verdachtsfälle von Fachleuten prüfen lassen. Auf der Webseite des Forschungsprojekts der Naturkundemuseen in Karlsruhe und Stuttgart finden Sie Hinweise und Fotos, um die Gattung Tapinoma im ersten Schritt selbst zu erkennen.
Wenn die Kriterien für die Gattung Tapinoma auf die von Ihnen untersuchten Ameisen zutreffen, können Sie sich auf der Tapinoma Meldeplattform melden.
 

Vor jeglichen Bekämpfungsmaßnahmen gegen Tapinoma magnum ist eine genaue Artidentifizierung unabdingbar, damit nicht versehentlich einheimische Ameisenarten in Mitleidenschaft gezogen werden.

Im Falle der Bestätigung des Fundes bitten wir Sie, das Vorkommen der Gemeinde zu melden, damit diese informiert ist.

Mehrere Ameisen der Art Tapinoma magnum in Nahaufnahme

Tapinoma magnum ist vollständig schwarz gefärbt, ohne bräunliche Tönungen. Wichtig zur Unterscheidung von einheimischen Tapinoma-Arten: Die Arbeiterinnen kommen in verschiedenen Größen zwischen etwa 2 bis 4 mm groß vor.

Tipp zur Größenerkennung:


Locken Sie die Ameisen mit einem Zuckerangebot (z. B. Zuckersirup, Honig) auf ein ca. 5 cm großes Stück Papier. Legen Sie dafür das Papier in die Nähe eines Nesteingangs oder einer Ameisenstraße auf den Boden. Nach kurzer Zeit sammeln sich dort meist mehrere Tiere. Mit einem Lineal als Maßstab können Sie scharfe Fotos aus verschiedenen Perspektiven machen, auf denen sich Details wie Körpermerkmale besser zu erkennen lassen.

Ein wichtiges Erkennungsmerkmal bei Ameisen ist der Knoten zwischen Vorder- und Hinterleib. Bei Tapinoma ist dieser Knoten flach und vom Hinterleib verdeckt, während er bei anderen Gattungen deutlich sichtbar ist.

Weitere Informationen und Bildmaterial zur Bestimmung finden sich auf dem Blog des Tapinoma-Forschungsprojekts.

Ameisenkolonie auf der Straße.
Ameisenkolonie auf einer Straße

Tapinoma magnum können Sie nicht nur an ihrer Farbe und Größe erkennen, sondern auch an ihrem Verhalten und Geruch.

Im Sommer bildet die Ameisenart teils breite, mehrspurige Ameisenstraßen. Die Arbeiterinnen sind sehr zahlreich und die Nester kommen auf großen Flächen vor. Bei Störung strömen die Arbeiterinnen sehr schnell und in großer Zahl aus dem Boden an die Oberfläche. Der Auswurf von Erdreich um die Nesteingänge ist auffällig und wird in den betroffenen Gebieten als „eindeutig nicht normal“ beschrieben.

Reizt man eine Ameise vorsichtig, riecht sie auffällig nach aromatischem Lösungsmittel.

Weitere Informationen und Bildmaterial zum Verhalten und Geruch der Ameisenart finden sich auf dem Blog des Tapinoma-Forschungsprojekts.

Richtiges Verhalten im Umgang mit Tapinoma magnum

Treffen die Merkmale der Tapinoma magnum auf die von Ihnen entdeckten Ameisen zu, ist es wichtig, den Befall schnell zu melden. Wird der Verdacht bestätigt, können Sie mit der Bekämpfung der Tapinoma magnum beginnen.

Gemeinsam handeln

Die Bekämpfung von Tapinoma magnum ist langwierig und aufwändig. Wenn Sie sich zur Bekämpfung entscheiden, schließen Sie sich mit Besitzer*innen benachbarter Grundstücke zusammen. Informieren Sie auch die Verwaltung Ihrer Kommune. Wenn es Ihnen möglich ist, beauftragen Sie spezialisierte und lizenzierte Schädlingsbekämpfungsunternehmen, die Erfahrung in der Bekämpfung dieser Art haben. Diese verfügen über vergiftete Fraßköder und Kontaktinsektizide, die für Privatpersonen nicht frei käuflich sind.

Schädlingsbekämpfer finden – Deutscher Schädlingsbekämpfer-Verband e. V. (DSV)

Schädlingsbekämpfer finden
Frühzeitiges Handeln ist entscheidend, denn je früher mit der Bekämpfung begonnen wird, desto höher sind die Erfolgschancen.

 

Prävention

Zur Vorbeugung ist es sinnvoll, bereits beim Pflanzenkauf aufmerksam zu sein. Besonders Topfpflanzen aus dem mediterranen Raum – etwa Olivenbäume – können mit gebietsfremden Ameisen befallen sein. Daher sollten Pflanzen vor dem Kauf sorgfältig geprüft werden. Werden dennoch Ameisen entdeckt, hilft es, die betroffene Pflanze für 24 Stunden in Wasser zu stellen, damit die Tiere absterben.

Auch ein achtsamer Umgang mit Mülltonnen trägt zur Prävention bei. Sie sollten so gesichert werden, dass Ameisen keinen Zugang finden. Dafür eignen sich Leimringe, Klebebänder oder eine Schicht aus Kieselgur, die in regelmäßigen Abständen erneuert werden sollten.

Zudem ist es wichtig, mögliche Zugangspunkte ins Haus zu verschließen. Ritzen und Spalten können abgedichtet und mit Barrieren aus Kieselgur oder Vaseline geschützt werden. Diese Schutzschichten sollten ebenfalls regelmäßig erneuert werden, um ihre Wirksamkeit zu behalten.

 

Langfristige Bekämpfung

Langfristig hilft am besten eine koordinierte Bekämpfung aller betroffenen Grundstücksbesitzerinnen und -besitzer, privater wie öffentlicher. Um das Unterhöhlen von Pflastersteinen zu unterbinden, empfiehlt es sich Pflastersteine statt in Sand in ein durchgehendes Mörtelbett oder auf groben Split zu verlegen, um den Ameisen die Anlage von Brutplätzen unter den Steinen unmöglich zu machen oder zu erschweren.

Die Unbeachtete Wegameise

Informationen zur Unbeachteten Wegameise (Lasius neglectus) folgen in Kürze.

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